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Die große Steuerflucht

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Die große Steuerflucht

Die große Steuerflucht

(2014) Austricksen und Schaden zufügen, hinter diesen Machenschaften befinden sich nicht nur Einzelpersonen, sondern auch gestandene Konzerne mit klangvollen Namen, welche die vorhandenen rechtlichen Unterschiede in den EU-Ländern zur Steuervermeidung ausnutzen. Luxemburg, Malta oder Liechtenstein gelten bei Unternehmen als wahre Steueroasen, doch kaum jemand wusste, dass selbst die Niederlande eines der größten Steuerparadiese auf Erden ist. Einfach nur unverständlich für Otto Normalverbraucher, welcher brav seine Steuern entrichtet und die vermeintlich Reichen offensichtlich nur darauf bedacht sind noch mehr Reichtum anzuhäufen. Von Gerechtigkeit darf hier bei Weitem nicht mehr gesprochen werden, denn Steuerflucht ist nun einmal kein Kavaliersdelikt und nach dem Motto "Was keiner Weiß, macht keinen heiß" sind Steuerberater großer Unternehmen offenbar nur damit beschäftigt nach Schlupflöchern Ausschau zu halten, um Steuerabgaben einzusparen. Aufwachen liebe Politikerinnen und Politiker, jetzt wird es aber wirklich Zeit geschlossen sowie energisch dagegen vorzugehen!

Die EU schließt umstrittene Steuerschlupflöcher für Unternehmen!

Lange genug hat es ja nun gedauert, doch für kluge Entscheidungen ist es bekanntlich niemals zu spät, denn wie besagt ein wahres Sprichwort so schön "Was lange währt, das hält ewig" oder etwa nicht? Mal ganz ehrlich haben Sie sich nicht auch schon manchmal die Frage gestellt "Warum werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer?", wenn ja gibt es eine gänzlich logische Erklärung hierfür, welche mit dem Begriff "Steuerschlupfloch" noch harmlos ausgedrückt ist. So haben sich die Finanzminister der Europäischen Union vergangenen Freitag (20.06.2014) weitestgehend darauf geeinigt die geltende Mutter-Tochter-Richtlinie sowie Doppelbesteuerung einschließlich der damit verbundenen Steuerflucht einen Riegel vorzuschieben. Damit erfolgte ein einstimmiger Beschluss, welcher vonseiten der EU-Kommission unterbreitet wurde, Gesellschaften (Unternehmen) ohne wirtschaftliche Substanz sprichwörtlich das Handwerk zu legen. Somit dürfte gleichfalls die doppelte Nicht-Besteuerung alsbald der Vergangenheit angehören, was Staaten wie Luxemburg oder die Niederlande nicht sonderlich schmecken dürfte, denn immerhin hatten diese von den Finanzinvestoren und Anlegern erheblich profitiert.

Gemeinsam gegen die Steuervermeidung auftreten!

Niedrige Steuersätze hatten Unternehmen regelrecht dazu verleitet in Staaten wie Irland, Luxemburg oder den Niederlanden umfangreiche Finanzinvestitionen zu tätigen, doch damit ist jetzt Schluss. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten in einheitlichen Richtlinien gesetzlich festgeschrieben und von den jeweiligen Finanzbehörden kontrolliert stellen gleichzeitig ein äußerst effektives Mittel zur Bekämpfung von sogenannten Mischformen durch Eigen- und Fremdkapital dar. So kann sich für finanzkräftige Unternehmen die Zahlung von Zinsen auf entsprechende Hybridanleihen als äußerst lukrativ herausstellen, welche gegenüber herkömmlichen Ausschüttungen in der Form von Dividenden zahlreiche Steuervorteile mit sich bringen. Insbesondere bei der bisher geltenden Mutter-Tochter-Richtlinie hatten Unternehmen und Konzerne erhebliche Steuervorteile erwirtschaften können. So konnte unter anderem eine sogenannte Tochtergesellschaft Zinsen einer Fremdfinanzierung durch die Muttergesellschaft uneingeschränkt steuerlich geltend machen, wogegen die Muttergesellschaft im Land des Hauptsitzes diese, als steuerfreie Dividendeneinnahme verbuchen konnte. Damit fällt einem sprichwörtlich der Begriff doppelte Nicht-Besteuerung ein sehr zur Freude der Unternehmen sowie zum Ärgernis der Finanzbehörden.

Am 31. Dezember 2015 beginnt die Stunde Null!

Alle EU-Mitgliedsstaaten haben sich darauf geeinigt am 31. Dezember 2015 alle bisher geltenden Richtlinien in nationales Recht umzuwandeln, das bedeutet im Klartext, einheitliche Steuerregelungen in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft einzuführen. Mit dieser längst überfälligen Maßnahme wird vermeintlichen Steuerflüchtlingen praktisch über Nacht die Luft abgeschnürt. Der Countdown läuft, denn noch haben Unternehmen insbesondere große internationale Konzerne Spielräume, um das eine oder andere Schlupfloch auszuschöpfen. Damit ist es bei Weitem nicht getan, denn Wolfgang Schäuble kündigte bereits an verschärft gegen sogenannte "Patentboxen" vorgehen zu wollen, was aus dem einzigen Grund heraus geschieht, dass Unternehmen steuerliche Vergünstigungen aus erzielten Einnahmen durch Lizenzen in unterschiedlichen EU-Mitgliedsstaaten erwirtschaftet hatten. Hierbei soll dieses Thema innerhalb kürzester Zeit wirkungsvoll angegangen werden, so Schäuble. Ziel ist es namhafte Unternehmen dazu anzuregen Forschungsaufträge sowie hoch qualifizierte Jobangebote vor Ort zu vergeben. Zwar hat Deutschland derzeit keine derartigen Patentboxen zu verzeichnen, denn innerhalb Deutschlands werden alle steuerpflichtigen Gewinne von Unternehmen mit einheitlichen 30 Prozent belastet. Allein dieser Aspekt ist ausschlaggebend dafür, dass Deutschland nicht als Steueroase innerhalb der Europäischen Union gilt, sondern einen der höchsten Steuersätze anwendet.

Die wichtigsten Begriffe etwas ausführlicher erläutert!

Einige aufmerksamen Leserinnen und Leser werden sich sicherlich bereits gefragt haben, was ist eigentlich hinter den genannten Begriffen wie Mutter-Tochter-Richtlinie, Doppelbesteuerung oder doppelte Nicht-Besteuerung zu verstehen? Aus diesem Grund möchten wir Ihnen die folgenden Begriffe etwas ausführlicher erläutern:
  • Mutter-Tochter-Richtlinie: Hinter dem Begriff verbirgt sich eigentlich nichts anderes, als eine einheitliche Richtlinie des gemeinsamen Steuersystems für Mutter- und Tochtergesellschaften unterschiedlicher EU-Mitgliedsstaaten, welche auch mit der Bezeichnung Konzernrichtlinie angewendet wird. Unter der geänderten EG-Richtlinie (ABl. EU L 13 vom Januar 2004) wird geregelt eine eventuelle Doppelbesteuerung oder Mehrfachbesteuerung gänzlich zu vermeiden.
  • Doppelbesteuerung: Eine sogenannte Doppelbesteuerung liegt immer dann vor, wenn bei Transaktionen im Zuge steuerrechtlicher Regelungen bereits versteuerte Gewinne erneut versteuert werden. Damit soll verhindert werden, dass die Staaten übergreifende steuerliche Belastung begrenzt wird.
  • Doppelte Nicht-Besteuerung: Herunter wird die steuerliche Abgabe bei Zahlungen und Einnahmen aus vergebenen Lizenzen in der Steuerrechnung geregelt. Damit sollte eigentlich verhindert werden, dass Unternehmen für denselben Vorgang doppelt steuerlich belangt werden, was unweigerlich eine doppelte Nicht-Besteuerung zur Folge hatte.

Ausgehandelte Steuervereinbarungen werden genauestens überprüft!

Eigentlich eine feine Sache, welche sich einige Unternehmen mit Irland sowie den Niederlanden haben einfallen lassen, doch nun lauern die Finanzbehörden. Der Verdacht einer direkten Beihilfe durch die beiden EU-Mitgliedsstaaten Irland und den Niederlanden liegt förmlich auf der Hand. Eine umfangreiche Überprüfung soll letztendlich Aufschluss darüber bringen, ob die Erhebung der Körperschaftssteuer mit den geltenden EU-Beihilferegelungen in Einklang zu bringen ist. Sollte dieses nicht der Fall sein und diese Vereinbarungen in keinster Weise mit geltendem EU-Recht abwägen, dann drohen natürlich Rückzahlungen in nicht unerheblichem Maße. In erster Linie richten sich diese weitreichenden Untersuchungen nicht etwa gegen die Unternehmen, sondern gegen die betroffenen EU-Mitgliedsstaaten (Irland sowie die Niederlande) selbst. So hat zum Beispiel ein US-Unternehmen ein entsprechendes Schlupfloch im Steuerrecht effektiv ausgenutzt den Steuerforderungen vonseiten des US-Fiskus zu entschlüpfen. Mit der Hilfe von entsprechenden Tochtergesellschaften in Irland sind gerade einmal 3,7 Prozent Steuern auf eingefahrene Gewinne fällig gewesen. Bereits seit den 1960er Jahren unterbreitet Irland insbesondere US-Konzernen lukrative Angebote in der Form günstiger Steuersätze. Es wird allerhöchste Zeit diesem Einhalt zu gewähren, denn gleiches Recht für alle ehrlichen Steuerzahler!